fachzeitschrift für dings und gegen kaffeetalismus

2006-09-13

review: wandlungen politischer musik

Komme soeben aus der MB, von der Podiumsdiskussion "Wandlungen politischer Musik" im Rahmen des Festivals MachtMusik. Um 20.00 sollte diese beginnen, da aber zunächst noch diverse Häppchen und Sektchen in gierigen Besucherschlündern verschwinden sollten (und wohl auch zur Steigerung der Spannung ins Unermessliche), verschob sich der Beginn um 20 Minuten und ein jeder labte sich an dem, was die MB bereitwillig unters Volk warf. Kurz vor halb neun wurde uns dann das Podium von Thomas Chr. Heyde vorgestellt, um die Tischchen kauerten Martin Büsser (Autor/Herausgeber), Eiko Kühnert (Kulturwissenschaftler) und Torsten Möller (Musikwissenschaftler). Noch im ersten Atemzug referierte Heyde über die unzähligen Fragen, die am heutigen Abend aufgeworfen werden würden und ich nippte nur noch vorsichtig an meiner gratis-Schweppes, um damit auch ja über den von kontroversen Diskussionen und schmissigen Thesen nur so strotzenden Abend zu kommen, der sich da zusammenzubrauen schien.
Heydes erste Frage leitete dann auch schon den Rauchbombenteppich ein, der in der nun folgenden Zeit vom Podium herab auf das verstörte Publikum geworfen werden sollte. Wer, wie und was politische Musik sei, und ob es sie überhaupt noch gebe, ja überhaupt gegeben habe und überhaupt und sowieso wurde da ganz konkret gefragt und der angesprochene Büsser wusste sich nicht anders zu helfen und vielleicht ein wenig Licht in das Düster dieses BlaBla zu bringen, als irgendwas aus seiner Punk-Zeit zu erzählen und im Nebensatz noch den DIY-Gedanken anzureissen. Sofort sprang Möller ein und begann mit dem, was er den Rest der Veranstaltung lang tun sollte, nämlich Name-dropping im Bereich der "Neuen Klassischen Musik" zu betreiben, wovon er wahrscheinlich unglaublich viel, das Publikum aber umso weniger Ahnung hatte. Dies war allerdings dann unser Problem, wenigstens hatten die Namen der Stücke und Komponisten einen schönen Klang und einige davon sollen nach Aussage von Möller auch unglaublich politisch engagiert und wahnsinnig links sein (Afghanistan, Irak-Krieg usw., ihr wisst ja...). Na dann! So wurde weiter viel geredet und in etwa nichts gesagt, Möller schmiss weiterhin dem banausischen Publikum Namen in die ungebildeten Fressen, Heyde nickte alles ab und Büsser durfte ab und zu noch ein paar Allgemeinplätze anbringen, daß z.B. inzwischen Pali-Tücher auf "linken" und auf "rechten" Demos getragen werden, von wegen Szene-Codes und so. Den Höhepunkt erreichte das hitzige Selbstgespräch, als Kühnert dann, daran anknüpfend, in schönem Ostdeutsch erklärte, wie schwer es doch sei, linke und rechte Musik zu unterscheiden ("Schnell, laut ... klingt irgendwie böse... 'Fuck Bush' ... hm, könnte beides sein"). Immerhin, man lachte, dachte bei sich "na wenigstens was" und ich wagte tatsächlich fast zu glauben, nun ginge es vielleicht mal annähernd los. Nur war da Heyde ganz anderer Meinung. Nachdem er - gerade in dem Kontext - sinnbefreit postulierte, die Linke habe nichts mehr zu besprechen (vor meinem geistigen Auge sehe ich Christian Worch händereibend: "Haha, der Linken gehen die Themen aus, die sind am Arsch!") - worauf Büsser zum Glück noch kurz antworten durfte - erklärte er die Diskussion für beendet, es war ja schliesslich auch schon um neun gleich. Publikumsfragen? Brauchmer nich! Sich irgendwie mal darüber verständigen, worüber nun hier eigentlich gesprochen wird, geschweige denn mal konkret ein Thema ansprechen und ausdiskutieren? Überflüssig! Wahrscheinlich war das einfach das "linke" Selbstverständnis, wo man ja eh nichts mehr zu diskutieren hat und deshalb auch einfach nach ner halben Stunde Feierabend machen kann.
Na dann, gute Nacht!

2 Comments:

Anonymous Anonym said...

also ich bin mit *der linken* auch durch...

Mittwoch, 13 September, 2006

 
Blogger FinsterWinster said...

Aha.
Ich nicht. Sonst wäre ich ja auch nicht so beleidigt gewesen, als "der Linken" nachgesagt wurde, ihr gingen die Themen aus. Ich halte auch nicht soviel davon, bei jeder Gelegenheit zu betonen, wie durch man damit sei, als würde "die Linke" einem daraufhin heulend durch den Regen hinterherrennen und rufen "nein, verlass mich nicht!"
Ich wollte hier kein Linken-Bashing betreiben, im Gegenteil - ich war eher enttäuscht, daß die Hälfte des Podiums gestern von Politik ungefähr soviel Ahnung zu haben schien wie ich von "Neuer Klassischer Musik" und mir dann aber süffisant von der Bühne herunter mal eben in ner halben Stunde erzählen wollte, was denn da politisch so geht in der Musik (bzw. musikalisch in "der Linken" usw...).
Die Beziehung "zur Linken" ist durchaus keine romantische, aber ich glaube (eben deshalb!) nicht, daß man durchs lautstarke und überbetonte "Schlussmachen" im Ansatz weiterkommt.

Donnerstag, 14 September, 2006

 

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