fachzeitschrift für dings und gegen kaffeetalismus

2006-09-20

blogpause mal wieder

Weil: Telekom = Assi.

Gruss aus der Bibo...

2006-09-13

review: wandlungen politischer musik

Komme soeben aus der MB, von der Podiumsdiskussion "Wandlungen politischer Musik" im Rahmen des Festivals MachtMusik. Um 20.00 sollte diese beginnen, da aber zunächst noch diverse Häppchen und Sektchen in gierigen Besucherschlündern verschwinden sollten (und wohl auch zur Steigerung der Spannung ins Unermessliche), verschob sich der Beginn um 20 Minuten und ein jeder labte sich an dem, was die MB bereitwillig unters Volk warf. Kurz vor halb neun wurde uns dann das Podium von Thomas Chr. Heyde vorgestellt, um die Tischchen kauerten Martin Büsser (Autor/Herausgeber), Eiko Kühnert (Kulturwissenschaftler) und Torsten Möller (Musikwissenschaftler). Noch im ersten Atemzug referierte Heyde über die unzähligen Fragen, die am heutigen Abend aufgeworfen werden würden und ich nippte nur noch vorsichtig an meiner gratis-Schweppes, um damit auch ja über den von kontroversen Diskussionen und schmissigen Thesen nur so strotzenden Abend zu kommen, der sich da zusammenzubrauen schien.
Heydes erste Frage leitete dann auch schon den Rauchbombenteppich ein, der in der nun folgenden Zeit vom Podium herab auf das verstörte Publikum geworfen werden sollte. Wer, wie und was politische Musik sei, und ob es sie überhaupt noch gebe, ja überhaupt gegeben habe und überhaupt und sowieso wurde da ganz konkret gefragt und der angesprochene Büsser wusste sich nicht anders zu helfen und vielleicht ein wenig Licht in das Düster dieses BlaBla zu bringen, als irgendwas aus seiner Punk-Zeit zu erzählen und im Nebensatz noch den DIY-Gedanken anzureissen. Sofort sprang Möller ein und begann mit dem, was er den Rest der Veranstaltung lang tun sollte, nämlich Name-dropping im Bereich der "Neuen Klassischen Musik" zu betreiben, wovon er wahrscheinlich unglaublich viel, das Publikum aber umso weniger Ahnung hatte. Dies war allerdings dann unser Problem, wenigstens hatten die Namen der Stücke und Komponisten einen schönen Klang und einige davon sollen nach Aussage von Möller auch unglaublich politisch engagiert und wahnsinnig links sein (Afghanistan, Irak-Krieg usw., ihr wisst ja...). Na dann! So wurde weiter viel geredet und in etwa nichts gesagt, Möller schmiss weiterhin dem banausischen Publikum Namen in die ungebildeten Fressen, Heyde nickte alles ab und Büsser durfte ab und zu noch ein paar Allgemeinplätze anbringen, daß z.B. inzwischen Pali-Tücher auf "linken" und auf "rechten" Demos getragen werden, von wegen Szene-Codes und so. Den Höhepunkt erreichte das hitzige Selbstgespräch, als Kühnert dann, daran anknüpfend, in schönem Ostdeutsch erklärte, wie schwer es doch sei, linke und rechte Musik zu unterscheiden ("Schnell, laut ... klingt irgendwie böse... 'Fuck Bush' ... hm, könnte beides sein"). Immerhin, man lachte, dachte bei sich "na wenigstens was" und ich wagte tatsächlich fast zu glauben, nun ginge es vielleicht mal annähernd los. Nur war da Heyde ganz anderer Meinung. Nachdem er - gerade in dem Kontext - sinnbefreit postulierte, die Linke habe nichts mehr zu besprechen (vor meinem geistigen Auge sehe ich Christian Worch händereibend: "Haha, der Linken gehen die Themen aus, die sind am Arsch!") - worauf Büsser zum Glück noch kurz antworten durfte - erklärte er die Diskussion für beendet, es war ja schliesslich auch schon um neun gleich. Publikumsfragen? Brauchmer nich! Sich irgendwie mal darüber verständigen, worüber nun hier eigentlich gesprochen wird, geschweige denn mal konkret ein Thema ansprechen und ausdiskutieren? Überflüssig! Wahrscheinlich war das einfach das "linke" Selbstverständnis, wo man ja eh nichts mehr zu diskutieren hat und deshalb auch einfach nach ner halben Stunde Feierabend machen kann.
Na dann, gute Nacht!

krude artikel kurz zitiert 15/06 [Hitler meets Woyzeck]

"Hitler dachte aufgrund ihres Namens, dass sie Jüdin sei. Damals machte es ihm nichts aus. Doch war die Abfuhr seiner großen Jugendliebe der Grund für den späteren Judenhass? Möglich wäre es…"

(Denis Kräupziger)

Ah, so war das also, danke Denis!
Warum aber wird mir dieser Schund auf Bravo-Niveau im NFH-Newsletter zugeschickt...?

2006-09-12

nachruf

Joachim C. "Hitler war's!" Fest ist gestorben. Der Historiker, der es vermochte, eine Hitler-Biographie zu verfassen, die nach den Worten Albert Speers auch "ihm" [dem Führer] gefallen hätte und der zwar nicht unbedingt der Meinung Noltes war, daß Auschwitz nur eine Reaktion auf die "asiatische Tat" Stalins gewesen sei, aber dennoch meinte, dies müsse mal gesagt werden, hinterlässt viele Fragen:
Wer erbt nun sein von Hitler gemaltes Aquarell (das er von Speer geschenkt bekam)?
Wer spricht in Zukunft die Deutschen frei?
Und vor allem: Wie sagen wir's "ihm"?


Guckst Du hier.

2006-09-11

reise zurück

So lange scheint es gar nicht her zu sein, daß ich an Wintertagen als Zivi morgens das Museum der Gedenkstätte Mittelbau-Dora aufschloss, das sich damals in einer rekonstruierten Häftlingsbaracke befand. Erster Schlüssel - Alarmanlage, zweiter Schlüssel (2x rumdrehn) - Tür aufschliessen. Sicherungen rein. Flackernd gehen vorn im Ausstellungsraum die Lichter über den Tafeln und in den Vitrinen an. Es gibt Momente, an die gewöhnt man sich nicht, auch nicht nach Monaten der täglichen Konfrontation mit vergangenem Leid, Terror und Gewalt. Einer davon ist der, in dem ich jeden Morgen auf nüchternen Magen das Video der "Befreiung" des Aussenlagers "Boelcke-Kaserne" des KZ Mittelbau durch die U.S. Army im April 1945 anmache, daß in Dauerschleife gezeigt wird. (In diesem Video kann man ab Minute 4 1/2 Bilder daraus sehen, dann wird vielleicht auch klarer, wieso ich "Befreiung" in Anführungszeichen setze) In den Wintermonaten verirren sich wenige Besucher auf das Gelände des ehemaligen KZ und schaue ich aus dem Fenster am Bücherstand, scheint die Schneedecke die Relikte der Vergangenheit zu konservieren. Stille. Irgendwann habe ich dieses Morgenritual mit Hardcore im Walkman praktiziert, wohl um nicht jeden meiner Schritte auf den hölzernen Dielen der Baracke knarren zu hören.
Es ist eben doch sechs Jahre her inzwischen und seit gestern ist die neue Dauerausstellung in einem historisch unbelasteten Gebäude eröffnet. Zu meinen Zivizeiten begann die Neukonzeption der Gedenkstätte und ich bin froh, soviel davon mitbekommen zu haben - die verschiedenen Entwürfe der Architekten und die Diskussionen darüber. Noch froher bin ich jetzt, daß das Herzstück, die neue Ausstellung, so gut geworden ist. Gut, weil sie die "V2"-Rakete noch mehr aus dem Fokus und damit den Technik-Freaks und Wernher von Braun-Fans die Wichsvorlage nimmt. Gut, weil sie die Täter und Profiteure des Programmes "Vernichtung durch Arbeit" klarer benennt und die Verflechtung von Konzentrationslagern und deutscher Tätergesellschaft thematisiert, die einerseits gerade hier so deutlich ist und andererseits gerade hier so geleugnet wurde und wird. Noch im letzten Jahr mußte der Leiter der Gedenkstätte gegen den in Nordhausen gepflegten Mythos ankämpfen, die Häftlinge des Lagers hätten nach ihrer Befreiung die Stadt geplündert. (Siehe)
Wahrscheinlich wird die Diskrepanz zwischen historischer Forschung und dem, was davon im Bewußtsein der Leute ankommt, weiterhin zu groß bleiben. Aber durch Ausstellungen wie diese wird es hoffentlich schwieriger, glaubhaft zu erzählen, niemand habe davon gewußt.
Nun steht das Gebäude der alten Aussellung leer. Es wird bei jedem Besuch dort ein bißchen weniger "meine Gedenkstätte" von vor sechs Jahren. Aber wenn die Veränderung in diese Richtung geht, kann ich trotz ein wenig Melancholie und Pathos (man möge mir den Anfang des Artikels verzeihen) sehr gut damit leben.

Und das schreibt SpOn heute.

2006-09-08

gegen langeweile am wochenende...

...kann man auf dieser Seite ein beliebtes Massaker des 2. Weltkriegs nachspielen. Oder doch nicht? Die Generation Counterstrike wird's schon rausfinden. Via.

Ich dagegen bin in anderer historischer Mission unterwegs und fahre morgen dorthin. Vorher heute vielleicht unter anderem noch ein wenig Disko in der LiWi. Siehe. Schönes Wochenende wünscht die Redaktion.

2006-09-06

farbenfrohe welt des konsums 01/06

IKEA supports Cybersex...

2006-09-05

der freudsche

Wenn ich auf Arbeit bei einem Telefoninterview zum Thema Radio statt "Programm" "Pogrom" vorlese, heisst das, daß ich zu oft im Call-Center rumhocke, oder daß ich mich zuviel mit dem NS beschäftige?

Naja irgendwann muß man wohl bekloppt werden, bei den Büchern auf meinem Schreibtisch...

2006-09-03

echt nüscht zu tun...

Endlich! Erika Steinbach sorgt für neue Hinweisschilder auf dem Parkplatz vor dem Büro der Vereinigten Landsmannschaften und Landesverbände e.V. in Bonn:

krude dialoge kurz zitiert 14/06

Er: "...die Statistik ist die grösste Lüge, die es überhaupt gibt, das ist bewiesen!"
Ich: "Aha, das ist also statistisch bewiesen, dass die Statistik immer lügt...?"
Er: "Genau!"

(aus dem Call-Center-Alltag)


Ausserdem: Neues/Altes zum Thema Deutschland. Über.

2006-09-02

vr loves yellow press

Siehe.