fachzeitschrift für dings und gegen kaffeetalismus

2006-04-04

uniquark 01/06

Habe heute anlässlich des Semesterbeginns mal wieder ausgetestet, wie es so ist, den Tag vor 11:00 zu beginnen. Es ist vor allem ganz schön früh.
9:15 Uhr: "Die Universität Leipzig in den Umbrüchen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts" bei Prof. Dr. von Hehl. Kann mich dunkel erinnern, vor einigen Semestern von Hehls Vorlesung zur Weimarer Republik wegen einiger seiner Ansichten wutschnaubend verlassen und aus dem Stundenplan gestrichen zu haben, also hält mich die Aufmerksamkeit auf der Suche nach Stoff zum Aufregen zunächst wach. Aber grosse Überraschung: von Hehl meckert immer wieder über die Deutschtümelei an der Uni am Ende der Weimarer Republik und so falle ich angenehm eingelullt fast zurück in den unverdienten Schlaf. Dann allerdings immer wieder jähes Aufschrecken durch einige Entgleisungen, die halt doch immer wieder durchrutschen. Da wird die Jammerei der Arbeitslosen heutzutage bemängelt - schliesslich ging es damals den Arbeitslosen ja noch viel schlechter - und vom "Zusammenbruchsjahr 1945" (mit einem Friedensschluss, der ja noch viel schlimmer war als der von 1918) geschwafelt. Und kurz nachdem sich über die schlechte Finanzsituation der Uni (Zitat: "Die zweitälteste Universität im Reich....ääh...Deutschland") beschwert wird, wünscht sich Herr von Hehl, daß bei Universitätsfeierlichkeiten wieder fellgeschmückte Talare getragen werden. Der Schlaf holt mich wieder ein und da erscheint mir auf einmal Van Hehlsing, der Kommunistenjäger, der zwar auch nach rechts ordentlich austeilt, aber doch am liebsten den Bolschewiken seinen Holzpflock ins rote Herz rammen möchte. Heute erwischt es Graf Schrödula, der - als Anführer der "sogenannten 68er" identifiziert - vor den eifrig nickenden weissen Häuptern der Seniorenstudenten mit sprachlichen Silberkugeln erlegt wird. Gruselgrusel, ich komme zu mir und schon sind anderthalb Stunden rum.
Gleich danach aber eine Überraschung, die sich nicht zum Albtraum entwickelt: Es gibt wohl doch Mittelalterdozenten, die so gar nicht in mein sogfältig aufgebautes Feindbild vom humorlosen, studentenfressenden Mediävisten passen. Prof. Dr. Bünz schreibt für Literaturhinweise die Namen seiner Kollegen der Wichtigkeit nach in verschiedener Schriftgrösse an die Tafel, gibt Bonmots von Österreichischen Grabsteinen zum Besten ("Hier liegt der Küster Krug - der Orgel, Frau und Kinder schlug") und zeigt, dass mittelalterliche Geschichte nicht zwangsläufig so düster präsentiert werden muss wie der Ruf ist, der dieser Epoche vorauseilt.

Ansonsten: Mensa, Titanic lesen, Kaffee trinken und dann weiter sehen...

4 Comments:

Anonymous Fränzopoly said...

9.15 Uhr am Montag Morgen ist noch gar nichts!!! Um 8.30 Uhr über die Probleme der politischen Philosophie nachzudenken ist ebenfalls sehr geeignet, um den abgebrochenen Traum weiterzuspinnen.Aber Vorsicht!!! Nicht auf die Tischkannte knallen!!!

Dienstag, 04 April, 2006

 
Anonymous u.n.owen hates the students said...

bei mir gabs heute zum ersten marcuse gegen 15.15 und die feststellung,dass das geld diesen monat noch nicht fuers semesterticket reicht,also ist laufen angesagt.
ansonsten scheint die sonne,leichte bewoelkung.

Dienstag, 04 April, 2006

 
Blogger FinsterWinster said...

Herbert oder Ludwig?
Und zum Thema Semesterticket: "Nee, nee, nee! Eher brennt die LVB! Sind die da oben noch ganz dicht..."

Dienstag, 04 April, 2006

 
Anonymous ich nehme heute die kathy-identität said...

feiert euch ruhig, ihr studis. wenn ich in den turbo schalte, schaffe ich es alle 2 wochen zum diplomandenkolloquium. heute z.b. schomma nicht.

Donnerstag, 06 April, 2006

 

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