fachzeitschrift für dings und gegen kaffeetalismus

2006-03-08

reisetagebuch. 08.03.06

Leipzig. Wenn ich schon alle Jubeljahre mal "nach Hause" fahre, will ich meinen Eltern eigentlich gerne auch ein paar optische Einblicke in das geben, was bei mir zwischen den wöchentlichen 20-Minuten-Telefonaten passiert; sprich: Fotos zeigen. So beginnt meine Reise eigentlich vor Abfahrt nach 4 Stunden schlechten Schlafes mit einem Generationenkonflikt: Meine Eltern sind zu alt, um einen DVD-Player zu besitzen, auf dem man in halbwegs gemütlicher Atmosphäre Bilder anschauen könnte, und ich bin zu jung, um meine Fotos tatsächlich mit der (mir von ihnen geschenkten) Qualitäts-Nicht-Digi-Kamera zu schiessen. Ich benutze dafür lieber das Handy, das mit 1,3 Megapixeln wunderbar verwackelte (bei Tageslicht), grobkörnige (bei schlechten Lichtverhältnissen) und überhaupt unidentifizierbare (in den restlichen Fällen) Fotos macht, die dann auf meiner Festplatte vergammeln und von denen die am wenigsten schlechten den Weg ins Fotolog finden. Eine mittelgrosse, repräsentative Auswahl findet nun den Weg auf eine CD, damit wir sie uns dann um den Uralt-PC meines Vaters gruppiert ansehen können. Da dieser PC von der kriegskindergenerationellen Bedienungsweise meines Vaters gnadenlos überfordert ist, wird es wohl bei diesem einmaligen Event bleiben und meine Erzeuger müssen sich alles gut einprägen, denn sie werden es nie schaffen, sich die Foto-CD nochmal anzusehen.

Regionalexpress 26090, Raucherabteil. In ca. einer Stunde werde ich in dem knarrenden Zug in meine Geburtsstadt einrollen, von der man, nähert man sich ihr aus östlicher Richtung, zuerst die Kiesgruben begrüssen darf. Ein Teil dieser realsozialistischen Mondlandschaft wurde schon zu Zonenzeiten ("Was? Die Amis sind auf'm Mond? Dann holen wir den Mond auf die Erde!") in einen Badestrand zur Regeneration der arbeitenden Bevölkerung, die es damals in dieser Gegend gegeben haben soll, umgewandelt. Als Kind ging man dort auch noch tatsächlich ins graugrüne Wasser, mit dessen Inhalt sich zahlreiche urbane Legenden beschäftigen und um dessen Gefährlichkeit sich ebensoviele Mythen (von denen leider zumindest einer wahr ist) ranken.
Hallo Nordhausen! Oder wie man hier so schön sagt: "Wie'äään?!"