fachzeitschrift für dings und gegen kaffeetalismus

2006-02-23

was treibt eigentlich...

...Guido Knopp, Gauleiter der Redaktion "Zeitgeschichte" beim ZDF?

So sollte dieser Artikel eigentlich beginnen, und ein gefaktes Interview enthalten, aber bei der Recherche gelangte ich zunächst mal zu der Erkenntnis, daß die TV-Welt sich weiterdreht, auch wenn ich nicht hingucke - Knoppelchen hat inzwischen einen Emmy für "Das Drama von Dresden" abgegriffen. Dabei geht es dann doch nicht um das letzte Heimspiel von Dynamo, sondern um die alliierte Umbaumassnahme im Februar 1945, deren Ursachen die "aufgearbeitete" Erinnerung hierzulande gern genausoschnell vergessen möchte wie
leidenschaftlich sie sich im Opfermythos suhlt. Und weil nach wie vor Historytainment die Leute in Scharen vor den Volksempfänger treibt, wird durch einen Mausklick das "Drama von Dresden" nur noch zu "Dresden" (demnächst in deutschen Wörterbüchern wohl als Synonym zu "Kriegsverbrechen" mit Verweis auf ->Bombenholocaust aufgeführt). So heisst nämlich das Anfang März laufende "TV-Ereignis des Jahres", laut ZDF ein "fesselndes Antikriegsdrama und eine ungewöhnliche, bewegende Liebesgeschichte zugleich". Na das ist ja mal ganz was neues!
Auf der ZDF-Sonderseite heisst es dann weiterhin: "
Im Mittelpunkt steht die Liebe einer deutschen Krankenschwester zu einem notgelandeten englischen Bomberpiloten. Diese Annäherung zweier Menschen aus Ländern, die im Krieg erbittert gegeneinander standen und so die spätere Annäherung der Völker vorwegnahmen, prägt die Aussage des Films." Diese Aussage sagt im Klartext: zweiter Weltkrieg = englische Aggressoren vs. harmlose deutsche Zivilisten in caritativen Berufen. Und weiter: "Der Film zeigt die britischen Piloten, junge humorvolle Männer, die sämtlich von englischen Darstellern gespielt werden. Die strategischen Erwägungen des "Bomber Command" unter seinem Chef Arthur Harris werden nachvollzogen, ohne dass der Angriff gerechtfertigt würde. Der Film zeigt Nazi-Schergen und die tödliche Isolierung der wenigen jüdischen Deutschen, die noch in Dresden leben. Aber er zeigt eben auch Menschen, die nicht verfolgt werden, nichts mit dem Regime gemein haben und einfach nur den Krieg überleben wollen." An dieser Stelle kommen also die feixenden alliierten Todbringer ins Spiel, die jüdische Deutsche weiter in die Isolation treiben und anstatt chirugisch die ein oder zwei Nazis, die es in Dresden angeblich gegeben haben soll, zu strafen, die ganzen harmlosen Deutschen, die ja mit dem Nationalsozialismus nun wirklich nichts gemein haben (oder kennen Sie etwa jemanden, der Hitler gewählt hat?) erst in Angst und Schrecken
ver- und dann in Brand setzen. Ja, so macht uns Geschichte wieder Spass, schön geglättet in einen "europäischen Kontext" eingeordnet (waren wir nicht alle ein bisschen Opfer? Und vor allem: Waren die anderen nicht auch ganz schöne Täter?) und dabei so verkitscht wie ein Heimatroman. Da hat Oma was fürs Herz, Opa was fürs Gewissen und die Kleinen können in der Schule auch endlich mitreden.

7 Comments:

Anonymous Karsten said...

Danke... ;-) Ich hab mal wieder herzhaft gelacht... treffender kann man es wohl kaum schildern. Und nachdem inzwischen fast alle Naturkatastrophen (inklusive dem Wunder von Bern) für einen deartigen Film herhalten mussten, war es ja mal wieder an der Zeit für einen verschnulzten Streifen über Deutschlands liebstes Kind.

Donnerstag, 23 Februar, 2006

 
Anonymous t-t-i-n-e said...

na ich bin ja immer eher die, die die diedie ... filme erstma guckt, wa. über andere filme hat der pöbel auch erstmal gehetzt und sie dann später für sehenswert befunden... wa, winnie.

Donnerstag, 23 Februar, 2006

 
Blogger FinsterWinster said...

Ich polemisiere ja in erster Linie nicht gegen den Film als Werk an sich (wie auch), sondern anhand der Zitate gegen das Selbst- und Geschichtsverständnis, das von den Machern da an den Tag gelegt wird. Von mir aus mag die Schnulze rührselig erzählt sein, Kameraführung und Schauspieler grossartig - wenn damit immernoch das Bild von "Nazi-Schergen" in Abgrenzung zu den ganzen anständigen und unschuldigen Deutschen postuliert wird, wenn damit dem "Pöbel" - und für mich ist DAS der Pöbel! - aus der Seele gesprochen wird, der Auschwitz zu gern indirekt mit Dresden aufrechnet, dann finde ich das einfach zum Kotzen überflüssig. Wa?

Donnerstag, 23 Februar, 2006

 
Anonymous tiger_enten_tine said...

zorry, davon kann ich in dem text nichts lesen. deine interpretation davon kann ja durchaus treffend sein... aber stehn tuts da nich.

"Der Film zeigt Nazi-Schergen und die tödliche Isolierung der wenigen jüdischen Deutschen, die noch in Dresden leben. Aber er zeigt eben auch Menschen, die nicht verfolgt werden, nichts mit dem Regime gemein haben und einfach nur den Krieg überleben wollen."

steht ja nich da: "er zeigt endlich mal auch den teil der menschen, eben den teil, der die masse ausmachte, der nix damit zu tun hatte" wa?

wir sind uns, glaube ich, echt einig bei dem thema, aber manchmal kann man es auch n BISSCHEN zulassen den blickwinkel, zumindest für eine filmlänge, zu erweitern und dann zu urteilen.
wenn deine vermutung treffend sein sollte, dann kotze ich mich gerne mit aus... aber bis dato...

und die blickwinkel fehlen leider allzu oft...


zu nem ganz andren nazi-thema:

zitat herr gemüse (name geändert):

"weißte, tine, warum ich so gern an die ostsee fahre? hier seh ich jeden tach nur kanacken.die hocken hier, zocken ihre zwei asylanteneuros und fressen die würstchen weg. dort oben gibts die nich. das is echt sympathisch und das nenn ich urlaub. mich würd nie jemand zu den niggern da unten kriegen."

ja, herr gemüse wie obst. danke!

Freitag, 24 Februar, 2006

 
Anonymous ich_muss_ma_los_tine said...

ok, was ich verlange ist sicherlich auch echt hart. man darf schließlich auch nicht vergessen, daß unser liebes knoppelchen, wie du ihn so schön liebevoll nanntest, mit den fingerchen in der scheiße mitrührt. aber trotzdem.

Freitag, 24 Februar, 2006

 
Anonymous ich said...

der film bleibt trotzdem scheiße. andererseits hat er natürlich auch die funktion der abm für die jungs vom dorf erfüllt.die durften dann nicht nur nazi denken,sondern auch mal nazi spielen.wow,das war dann ja wie früher.schade nur,dass es nicht wie bei dem oral-history scheiß tieflieger über den elbwiesen (wäre ein guter splatter geworden) und ein blutendes resusaeffchen auf der schulter eines braunbären,der mal eben so aus langeweile an ner tür kratzt,gegeben hat.das eigentliche wunder ist aber,ihm wird auch noch geöffnet.ja die deutschen hatten schon damals ein gespür für tierschutz.nicht zuletzt klingt doch auch "hühner-kz" viel besser als "chicken-concentration-camp"

jedeR,der/die mehr über the great dresden swindel erfahren mag,sollte auf die veranstultung mit schubert ins island gehen.
oi!
ich gehe jetzt schlafen.

Samstag, 25 Februar, 2006

 
Blogger FinsterWinster said...

Naja das Problem bei diesem Quatsch sind ja meiner Meinung nach nicht die aufs Landserheft wichsenden Kloppis, die Nazi spielen möchten. Es geht ja eher um kathartisches nicht-Nazi-spielen. Das ist doch das deprimierende, daß sich meine zukünftige Zunft (ich denke dabei nicht an Friedrich, sondern eher an Goldhagen, Aly, Gellately) die Finger wundschreiben kann, und in der Mainstream-Populär-Geschichte trotzdem nichts davon ankommt, was man eben an Vokabular wie "Nazi-Schergen" merkt.
Wenn dagegen Friedrich seine politischen Brandbomben schmeisst, dann geht ein eifriges Nicken und "Hmmm, aaah, so war das also" durch die Volksgemeinschaft und alle haben über Nacht was dazugelernt.

Die Veranstaltung ist übrigens am 18.03., 20:00 und läuft unter:
Die kollektive Unschuld
Gunnar Schubert liest aus seinem Buch „Die kollektive Unschuld. Wie der Dresden-Schwindel zum nationalen Opfermythos wurde“.

Samstag, 25 Februar, 2006

 

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